Bei einem Vergleich der deutschlandweiten Unfallschwerpunkte der Jahre 2019-21 mit denen der Jahre 2022-24 ergibt sich, dass ein Drittel von Ihnen auch drei Jahre später noch besteht.
Am heutigen Weltgedenktag der Straßenverkehrsopfer haben wir uns mit den destatis-Unfallatlas-Daten beschäftigt. Sie enthalten für alle Bundesländer die Daten polizeilich gemeldeter Unfälle mit Personenschäden und werden jeweils zur Jahresmitte für das Vorjahr veröffentlicht.
Solche Unfalldaten bilden eine wesentliche Grundlage für die örtliche Unfalluntersuchung der örtlichen Unfallkommissionen, die Unfallhäufungsstellen und -linien identifizieren, untersuchen und möglichst durch geeignete Maßnahmen entschärfen.
Hierzu definiert die Richtlinie "Merkblatt für Unfallkommissionen (M Uko)", wie Unfallhäufungsstellen und -linien zu ermitteln sind. Eine wichtiges Hilfsmittel ist hierbei die sogenannte 3-Jahres-Steckkarte, auf der Unfälle der letzten drei Jahre vermerkt werden - früher mit Stecknadeln, heute in der Regel elektronisch.
Ereignen sich an einer Kreuzung innerhalb von drei Jahren mehr als drei Unfälle mit Schwerverletzen oder Getöteten, oder mehr als fünf Unfälle mit Leichtverletzten, so gilt diese Kreuzung als Unfallhäufungsstelle. Als innerörtliche Unfallhäufungslinien definiert das 2012 zuletzt aktualisierte M Uko ausschließlich solche Streckenzüge, bei denen sich im Abstand von jeweils maximal 500m mindestens drei bzw. fünf Unfälle vom Unfalltyp "Überqueren" ereignet haben. Andere, womöglich durch streckenhafte Infrastrukturmängel bedingte Unfalltypen werden leider ignoriert.

Köln, Zülpicher Straße: Seit Jahren ereignen sich immer wieder schwere Unfälle entlang der Zülpicher Straße. Da es sich nicht um "Überschreiten"-Unfälle handelt, werden diese nach M Uko nicht als Unfallhäufungslinie gewertet. Screenshot Heatview.de
Aus diesem Grund gehen wir bei der Ermittlung von Unfallschwerpunkten etwas anders vor: Wir fassen alle Unfälle, die maximal 50m von einem weiteren Unfall in der Nähe entfernt sind, zu einem Unfallcluster zusammen. Auf diese Weise ermitteln wir nicht ausschließlich Unfallhäufungen an Kreuzungen, sondern auch eventuelle linienhafte Häufungen. Bei diesem Auswertungsverfahren kommen keine Straßendaten zum Einsatz, was es sehr einfach reproduzierbar macht (mit dem Nachteil, nicht exakt dem offiziellen Verfahren der M Uko zu entsprechen).
Wir nehmen heute den Fuß- und Radverkehr besonders in den Blick und konzentrieren uns auf die Unfälle, bei denen Fuß- und/oder Radverkehr beteiligt waren.
Für den Zeitraum der Jahre 2019-2021 haben wir 6.050 Unfallschwerpunkte in Deutschland ermittelt (ausgenommen ist Mecklenburg-Vorpommern, dessen Unfalldaten erst ab Mitte 2021 in den Unfallatlas-Daten enthalten sind).
Wenn die Arbeit der Unfallkommissionen erfolgreich war, gehen wir davon aus, dass im Zeitraum 2022-24 kein Unfallschwerpunkt in räumlicher Nähe eines Unfallschwerpunktes der vorherigen Auswertungsperiode 2019-2021 existiert. Andernfalls sehen wir den Unfallscherpunkt als fortbestehend an.
Für das Jahr 2022-2024 (ebenfalls ohne Mecklenburg-Vorpommern) haben wir 6.750 Unfallschwerpunkte ermittelt. Dies entspricht einer Zunahme von knapp 12%, wobei diese Werte zumindest in Teilen auch durch geringeres Verkehrsaufkommen während der Corona-Pandemie bedingt sein dürften. Ein weiterer Grund für die höhere Anzahl Unfallschwerpunkte könnte auf eine Veränderung in der Erhebung durch destatis begründet sein. Erst mit der letzten Ausgabe 2024 der Daten werden im Datenaufbereitungsprozess beim sogenannten Plausibilisierungsverfahren auch Radunfällen auf Rad- und Feldwegen berücksichtigt. Diese Aufbereitung wurde für die Berichtsjahre 2021-2024 bereits vorgenommen, für frühere Jahre erst in Zukunft schrittweise ergänzt (Stand Unfallatlas 15.11.2025)
Vergleicht man die 6.050 Unfallschwerpunkte mit den 6.750 des Folgezeitraums, finden sich für 2030 der Unfallschwerpunkte 2019-21 einer in äquivalenter Unfallschwerpunkt im Zeitraum 2022-24. Das heißt, dass für ein Drittel eventuell durchgeführte Maßnahmen nicht zu einer signifikaten Entschärfung geführt haben. Diese haben wir in einer uMap-Karte dargestellt.
Dies kann verschiedene Ursachen haben, welche genauer zu untersuchen wären:
- Der Unfallschwerpunkt wurde nicht identifiziert, z.B. aufgrund abweichender Kriterien von M Uko oder aus andereren Gründen
- Es wurden keine Maßnahmen identifiziert oder beschlossen
- Maßnahmen wurden zwar beschlossen, jedoch noch nicht umgesetzt
- Beschlossene Maßnahmen wurden umgesetzt, haben sich jedoch als nicht ausreichend erwiesen.
Hinsichtlich der Quote fortbestehender Unfallschwerpunkte existieren deutliche Unterschiede zwischen deutschen Kommunen: